Mark Z. Danielewski - Das Fünfzig-Jahr-Schwert

Wortwanderin | 15. Februar 2014 | / / / |





Mark Z. Danielewski ist bekannt für seine progressiven Romane. Der experimentierfreudige US-Amerikaner löste unter anderem mit seinem leisen Gruselschocker "Das Haus - House of Leaves" einen Hype in der Buchwelt aus, und beeindruckte auch mich nachhaltig. Insofern war ich neugierig und mehr als gewillt, seinem neuen Buch "Das Fünfzig-Jahr-Schwert" eine Chance zu geben. Obwohl ich absolut nichts darüber wusste. Aber seine griffige Gestalt, das aufwändige Innenleben führten letztendlich dazu, dass ich es aus der Bücherei auslieh. Wie meine Erlebnisse mit diesem kreativen Roman schließlich waren, lest ihr hier.







Hauptfigur ist Chintana, die frisch Verlassene, die auf der Feier zum 50. Geburtstag von Belinda zumindest versucht, wieder ins Leben zu finden. Ihr Ex hat sie ganz offensichtlich mit Belinda betrogen (warum auch immer man als Betrogene auf der Feier der verhassten Anderen herumhängt). Doch bevor das Ganze in ein Eifersuchtsdrama ausarten kann, tritt ein geheimnisvoller Mann auf. Der Erzähler. Die fünf anwesenden Waisenkinder (was auch immer die da verloren haben) setzen sich zu ihm um sich eine Geschichte erzählen zu lassen, denn ihre Sozialarbeiterin schläft (warum auch immer man sich erdreistet, auf einer Geburtstagparty einzupennen). Chintana hört mit, wie der Erzähler von einer Reise berichtet, auf der er das mysteriöse Fünfzig-Jahr-Schwert findet.

Die Inhaltsangabe des Verlags klingt verheißungsvoll, interessant und Düsteres heraufbeschwörend. Wenn man das Buch dann aber gelesen hat, wird klar, dass sie auch schon fast die ganze Handlung beschreibt. Denn in "Das Fünfzig-Jahr-Schwert" gibt es einen Plot, der in wenigen Sätzen erzählt ist und das einzige, das man nicht bereits verraten hat, ist das Ende.

Wäre dieses Buch nicht so hübsch aufgemacht, würde man sich unweigerlich veräppelt vorkommen. Aber auch so ist leider nicht alles gut. Denn von den 288 Seiten ist lediglich die Hälfte mit Text versehen. Jede zweite Seite ist weiß oder mit einer Stickerei bebildert. Und selbst die Textseiten sind nur spärlich bedruckt, enthalten manchmal nur einen einzigen Satz. Wer Danielewski bereits gelesen hat, wird sich darüber nicht wundern. Aber immerhin hatte man bei "Das Haus - House of Leaves" noch tagelangen Lesespaß, auch aufgrund seiner epischen Länge und Vielschichtigkeit. "Das Fünfzig-Jahr-Schwert" hatte ich in einer guten Stunde durch.

Hat man sich erstmal an den Stil gewöhnt, geht es ratzfatz bis zum Schluss. Danielewski bedient sich einer poetischen, bildhaften Sprache. Die ist trotz aller Schönheit leider etwas hölzern und wenig zugänglich, weshalb es einige Seiten dauert, bis man sich eingefunden hat. Das Buch wird als Erzählung fünf verschiedener Menschen präsentiert. Die sprechen jeweils immer nur Satzfetzen. Wer nun was sagt, wird mit verschiedenfarbigen Gänsefüßchen verdeutlicht. Allerdings kann man diesen Spaß irgendwann völlig ausblenden, weil man bemerkt, dass er nichts zur Sache tut. Die Bilder von Stickereien mögen Sinn ergeben, wirken aber leider zu oft willkürlich. So, als hätte man eben ein nettes Bild gebraucht. Erst ab der Erzählung des Mannes bekommen sie eine eigene Dynamik.

Die Geschichte selbst, ist ein kleines Schauermärchen für Erwachsene. Und ich muss zugeben, dass mich das Ende positiv überrascht hat. Denn während vorher alles gemächlich dahinplätschert, ist das Ende eine wahrhaft einschneide, aufrüttelnde Sache, die mir ein leises "Huch?!" entlockte. Dennoch: Ein gutes Ende allein reicht nicht aus, um mich nachhaltig zu beeindrucken.

Ich sehe "Das Fünfzig-Jahr-Schwert" daher mehr als ein optisches und typographisches Juwel, denn als eine Geschichte, über die man sich oft mit anderen Lesern austauscht. Dazu ist sie zu speziell und es ist schlicht zu wenig los. Ich finde der Verlag hat eine großartige Arbeit geleistet mit dem gewählten dicken Papier, der Schriftsetzung, dem Format. Der Inhalt hat mich aber etwas enttäuscht und machte nicht wirklich Spaß.


Wer ein Fan des Autors ist, wird sich auch mit diesem Roman lange vergnügen können. Wer jedoch den gewöhnlichen Roman sucht und damit langfristige Unterhaltung, ist hier verkehrt. "Das Fünfzig-Jahr-Schwert" ist ein kurzweiliges Gruselmärchen, welches von seiner bildhaften Welt lebt. Doch manchmal täuschen Bilder auch über diverse inhaltliche Lücken hinweg. Insofern gibt es von mir nur 3 von 5 Blättern und eine eingeschränkte Empfehlung.




Titel: Das Fünfzig-Jahr-Schwert 
Autor: Mark Z. Danielewski 
Originaltitel: The fifty year sword 
Genre: Roman 
Verlag: Tropen, Klett-Cotta 
Seiten: 288 
Preis: 29,95€ (gebundene Ausgabe) | bisher keine Kindle Edition, TB oder Hörbuch erhältlich



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Fotos: ©Klett-Cotta ©erinkendig.blogspot.com

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